Fahren mit CNG / Erdgas - ein Erfahrungsbericht

1200 760


Was ist CNG?

CNG steht für Compressed Natural Gas, also übersetzt komprimiertes natürliches Gas. Umgangssprachlich wird CNG auch als Erdgas bezeichnet. Es gibt zwei Arten von CNG, nämlich H-Gas und L-Gas. H-Gas (auch High-Gas genannt) hat einen Methan-Anteil der zwischen 87 und 99,1 Vol. % und entspricht ca. 1,5 l Benzin bzw. 1,3 l Diesel. L-Gas (auch Low-Gas genannt) hat in der Regel einen Methangehalt der zwischen 79,8 und 87 Vol. % liegt und entspricht ca. 1,2 l Benzin bzw. 1,1 l Diesel. Mehr Informationen zu H- und L-Gas gibt es hier: http://www.gibgas.de/Fakten/Mobilit%C3%A4t/H%20und%20L-Gas

Nicht verwechselt werden darf Erdgas/CNG mit LPG (Liquefied Petroleum Gas) bzw. Autogas. Während komprimiertes Erdgas natürlich vorkommendes Methan darstellt und der Bioanteil steigt, ist LPG bzw. Autogas ein Nebenprodukt der Erdölraffierie. Eine Vergleichsgrafik ist hier zu finden: https://www.erdgas.info/erdgas-mobil/vergleich-cng-und-lpg/

Warum CNG?
Ich habe mich aus zwei Hauptgründen für ein CNG-Fahrzeug entschieden: einerseits ökologische Gründe, andererseits ökonomische Gründe.

Ökologische Gründe
Das Einsparpotential von CNG bzgl. CO2- (Kohlendioxid), Feinstaub- und NOx-Emissionen (Stickstoff) ist gewaltig, wie folgende Grafik zeigt:

Erdgas | Auto Import Schweiz | Carfuchs

Man sieht, dass mit derselben Technologie, mit der ein normaler Benzinmotor funktioniert, gegenüber Benzin bis zu 35% CO2, 67% NOx und fast alles an Feinstaub eingespart werden kann. Somit fährt ein CNG-Auto (oder genauer gesagt ein Auto mit CNG) sehr klimaschonend. Ein weiterer Punkt ist, dass mit Erdgas/CNG die Abhängigkeit von Erdöl quasi aufgehoben wird. Es wird geschätzt, dass die Erdgasreserven noch 160 Jahre reichen werden (Quelle: http://www.gibgas.de/Fakten/Naturstoff%20Erdgas/Verf%C3%BCgbarkeit).

Zudem kann Erdgas aus Biomasse hergestellt werden (so genanntes Bio-Erdgas); eine anschauliche Animation ist hier zu finden: https://www.erdgas.info/energie/erneuerbares-erdgas/bio-erdgas/biogas-entstehung/. Auf der anderen Seite kann Methan aus Sonnen- oder Windenergie gewonnen werden. Dieses Prinzip nennt sich Power-to-Gas und ist hier übersichtlich erklärt: https://www.erdgas.info/energie/erneuerbares-erdgas/power-to-gas/strom-zu-gas/.

Fahren mit CNG führt zu weniger schädlichen Emissionen und benötigt keine (knappen) Erdöl-Ressourcen.

 

Erdgas | Carfuchs Erdgas | Carfuchs

 

Ökonomische Gründe
Neben den ökologischen Gründen gibt es auch ökonomische Gründe für ein CNG-Auto. Der Verbrauch ist deutlich geringer als bei einem vergleichbaren Benziner und liegt bei halbwegs schonender Fahrweise auch unter dem eines Dieselfahrzeugs. Das folgende Bild ist ein Foto der Verbrauchsanzeige im Seat Leon 1.4 TGI:

 

Erdgas | Carfuchs 

 

Aber nicht nur der Verbrauch ist geringer, auch die Kosten pro kg CNG liegen unter den Kosten für Benzin oder Diesel. Hier muss man aufpassen: werden Benzin- und Dieselpreise in Litern angegeben, so wird der Preis für CNG in kg angegeben. Da 1 kg CNG aber ungefähr 1,2 Litern Benzin bzw. 1,1 Litern Diesel entspricht, kann man nicht einfach die €-Preise nebeneinander schreiben und vergleichen. Im Schnitt zahle ich für 1 kg CNG 1,05 € bis 1,16 €. In Tirol/Österreich ist es noch günstiger, hier liegt der kg-Preis bei 0,85-1,05 €. Das zeigt sich in den Spritkosten: diese liegen bei mir bei ca. 4 € pro 100 km. Zum Vergleich: bei meinem vorigen Fahrzeug, einem Ford Fiesta mit einem 3-Zylinder Motor mit 125 PS, lag ich bei etwas über 7 € pro 100 km bei ähnlicher Fahrweise.

Modellwahl und -ausstattung
Die Modellwahl ist zugegebenermaßen etwas eingeschränkt. Nicht jeder „große“ Hersteller bietet auch CNG- bzw. Erdgasmodelle an. Eine Auflistung der aktuell verfügbaren Modelle ist unter den folgende beiden Links zu finden:

·         https://www.erdgas.info/erdgas-mobil/erdgas-fahrzeuge/

·         http://www.gibgas.de/Fahrzeuge/Personenfahrzeuge

Beim Seat Leon 1.4 TGI ist (zumindest für das 2017er Modell) nur die Style-Ausstattungsvariante sowie der 110 PS starke Motor verfügbar, ein Automatikgetriebe ist nur in der ST-Variante verfügbar. Einige wenige Zusatzausstattungen wie z.B. das Ablagenpaket sind nicht verfügbar. Insgesamt lässt sich der Seat Leon 1.4 TGI sehr individuell und ausreichend konfigurieren. Was man beachten sollte: durch die beiden Gastanks ist der Kofferraum deutlich kleiner als in der „Standardvariante“ – was für mich aber kein Problem darstellt.

 

Fahren mit CNG

CNG oder Benzin
Prinzipiell merkt man keinen Unterschied, ob man nun mit CNG oder mit Benzin unterwegs ist. Die Motorcharakteristika sind identisch. Wenn man mit CNG fährt, leuchtet beim Drehzahlmesser eine entsprechende Leuchte grün auf. Ist kein CNG mehr in den Tanks, so wird automatisch auf Benzin umgeschaltet – als Fahrer merkt man davon gar nichts, außer dass eben die grüne CNG-Leuchte verschwindet.

 

Erdgas | Carfuchs

 

Reichweite
Der Seat Leon 1.4 TGI fast ca. 15 kg CNG und 50 Liter Benzin. Das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt: die Tankgröße entspricht dem Standard – also dem Volumen, das ein normaler Benziner hat. Die beiden CNG-Tanks sind zusätzlich vorhanden – konsequenterweise hätte Seat den Benzintank verkleinert und z.B. 25 kg CNG Volumen geschaffen… aber es ist, wie es ist und das ist auch nicht schlecht.

Je nach Fahrweise hat man mit vollen Gastanks 350-420 km Reichweite. Mit einem vollen Benzintank kommen nochmal ca. 700 km dazu. Also eine theoretische Reichweite von über 1.000 km. Nur macht es wenig Sinn, bei leerem Gastank einfach mit Benzin weiterzufahren, denn das ist teurer und produziert mehr Emissionen. Natürlich: wenn man kein CNG tanken kann, dann hat man mit Benzin eine weitreichende Reserve.

CNG tanken
Die geringe Reichweite und das damit verbundene häufigere Tanken ist eine oft geäußerte Kritik an Erdgasautos. Dies kann ich nicht bestätigen. Bei längeren Fahrten bin ich froh, wenn ich nach 250 km eine Pause machen kann – diese wird dann gleich mit dem Tanken kombiniert. Und ob ich jetzt einmal pro Woche oder zwei Mal pro Monat tanke, ist für mich auch kein Aufwand.

CNG-Tankstellen finden
Nicht jede Tankstelle bietet CNG an. Im Navi des Seat Leon 1.4 TGI sind die Erdgastankstellen als Points of Interests (POI) hinterlegt – so kann z.B. schnell die nächste CNG-Tankstelle gefunden werden.

Komfortabler geht das im Internet. Einerseits kann über den Tankstellenfinder von erdgas.info (https://www.erdgas.info/erdgas-mobil/erdgas-tankstellen/tankstellenfinder/) gesucht werden (auf Deutschland beschränkt), andererseits über die Umkreissuche bzw. den Routenplaner von gibgas.de (europaweit) (http://www.gibgas.de/Tankstellen/Umkreissuche%20-%20Routenplaner). Im Routenplaner von gibgas.de werden zu der berechneten Route auch die CNG-Tankstellen im Umkreis angezeigt. So können die Tankstopps im Voraus geplant werden. Die Routenplanerfunktion gibt es bei gibgas.de auch in der App, so dass bspw. bei einer großräumigen Umleitung oder beim spontanen Ändern einer Route nach CNG-Tankstellen gesucht werden kann.

Die Aktualität von Preis und Status der CNG-Tankstellen hängen von den Nutzern ab: via App (oder auch Web) können Preisupdates aber auch Störungen oder Schließungen einfach bekannt gegeben werden. Das Prinzip ist somit einfach: je mehr mitarbeiten umso genauer wird’s.


Erdgas | Carfuchs Erdgas | Carfuchs Erdgas | Carfuchs

 

Der Tankvorgang
Der Tankvorgang selbst ist genau so einfach wie beim normalen Benzintanken und dauert gleich lang oder nur unwesentlich länger. Es gibt in Deutschland zwei Tankkupplungen: die TK16 und die weiter verbreitete TK17 (Bilder dazu gibt es hier: http://www.gibgas.de/Tankstellen/Service/Tankvorgang). Das Prinzip ist einfach: Tankdeckel auf, Schutzkappe lösen, Tankkupplung aufstecken (beim Seat Leon neben dem normalen Benzintank) und verriegeln und dann meistens einen grünen Knopf an der Tanksäule drücken. Nun wird der Gastank über einen Kompressor gefüllt. Ist der Tank voll, so wird der Tankvorgang automatisch beendet. Nun muss nur mehr entriegelt werden und der Tankvorgang ist abgeschlossen. Wo man sich nicht irritieren lassen sollte: an manchen Tanksäulen ist noch die Menge und der Preis des „Vortankers“ zu sehen. War auch beim ersten Tankvorgang meine Sorge, dass ich jetzt eine fremde Tankfüllung zahle. Dem ist aber nicht so: sobald man die Kupplung verriegelt und den Tankvorgang gestartet hat, geht der Zähler auf Null und man zahlt nur die eigene Tankfüllung.

                     

Fördermöglichkeiten
Die Anschaffung von CNG-Fahrzeugen wird mittlerweile (Stand November 2017) bei den Autoherstellern mit Wechselprämien gefördert. Aber es gibt auch Förderungen von regionalen Energieversorgern, wie z.B. der EGT Triberg: https://www.egt.de/unternehmen/engagement-vor-ort/umweltschutz/foerderprogramme/

Einen Überblick geben die folgenden Seiten:

https://www.erdgas.info/erdgas-mobil/foerderung-erdgas-fahrzeuge/

https://www.gas24.de/cms/109-0-foerderung-erdgas.html

Bei den meisten dieser Förderungen ist es notwendig, dass man sich im Einzugsbereich des regionalen Versorgers befindet. Beim einen muss dann ein Vertrag z.B. über den Bezug von Strom oder Erdgas (zum Heizen) abgeschlossen werden, beim anderen wird Werbung am Auto angebracht. Wie die Ausgestaltung ist und ob man dafür auch in Frage kommt, erfragt man am besten direkt beim entsprechenden Anbieter.

Der persönliche Eindruck und die Erfahrungen nach 10.000 km
Gleich vorneweg: ich bin begeistert von meinem Seat Leon 1.4 TGI und ich bereue die Anschaffung überhaupt nicht!

Das Auto fährt sich sehr gut und der Motor hat mit seinen 110 PS genügend „Schmalz“, um gut beschleunigen zu können. Bei Beschleunigungsvorgängen jenseits der 120 km/h merkt man allerdings schon, dass die Kraft dann doch allmählich nachlässt. Insgesamt lässt sich der Seat Leon 1.4 TGI wunderbar auf Landstraßen, Autobahnen und auch in der Stadt fahren.

Insbesondere auf Landstraßen und bei Fahrten <120 km/h kommt die Sparsamkeit voll zur Geltung. Hier liegt der Verbrauch bei ca. 3,8 kg/100 km. Auf der Autobahn steigt der Verbrauch erfahrungsgemäß an und liegt dann bei 4,2-4,6 kg/100 km. Das liegt allerdings nicht so sehr daran, dass ich jetzt mit 130-140 km/h fahre, sondern an den vielen Brems- und Beschleunigungsvorgängen (Überholen, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Baustellen etc.), die eben Motorleistung und damit Sprit fordern.

Meinen Spritverbrauch pflege ich online (https://www.spritmonitor.de/de/detailansicht/856432.html), nachfolgend ein Screenshot der Zusammenfassung des Verbrauchs:


Erdgas | Carfuchs

 

Aus dem Screenshot oben kann man sehen, dass „mein“ Durchschnittsverbrauch bei ca. 3,9 kg / 100 km liegt. Das ganze bei entspannter Fahrweise – also dort wo es auf der Landstraße geht mit 100 km/h und auf der Autobahn mit 130-140 km/h. Wenn auf der Landstraße mal ein LKW vor mir fährt, dann überhole ich nicht auf Teufel komm raus, sondern fahr halt auch mal ein paar Kilometer hinter dem Brummi her.

Mit einem vollgetankten Auto komme ich 400-440 km weit. Für längere Fahrten reicht das locker aus, um eine gute Strecke bis zum ersten Tankstopp zurücklegen zu können. Im (täglichen) Pendelverkehr muss ich im Gegensatz zum Benziner häufiger zum Tanken – aber das lässt sich einfach planen und in die Arbeitsfahrten oder privaten Fahrten integrieren, so dass dies keinen zusätzlichen Aufwand darstellt.

Die Anschaffungskosten und Servicekosten sind im Vergleich zum Benziner etwas höher – allerdings holt man durch den sparsamen Verbrauch und den CNG-Preis diese Mehrausgaben schnell wieder rein. Und es gibt mir ein gutes Gefühl, nicht nur sparsam, sondern auch emissionsarm unterwegs zu sein.

...Wir bedanken uns bei unserem Kunden Jürgen K. der uns diesen tollen & informativen Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt hat! 

Team Carfuchs.com 

Ob Erdgas, Elektro, Hybrid oder Verbrennungsantrieb - in unserem Neuwagen-Konfigurator finden auch Sie das passende Fahrzeug.